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Presseberichte über Torre Argentina

Die nachstehende Reportage von Jutta Aurahs erschien in der November (2003)-Ausgabe der "Geliebte Katze" und wurde uns vom Gong-Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Sollten das Heft bei Ihrem Zeitschriftenhändler vergriffen sein, können Sie diese Ausgabe direkt beim Gong Verlag nachbestellen.

Die Katzen von Rom

Wo sich einst Tempel und Triumphbögen drängten, wo Cicero anklagte und Caesar sich huldigen ließ, ist heute Katzenland. Sie sonnen sich auf Mauerresten im Forum Romanum, dem einstigen Mittelpunkt der Welt, klettern über verwitterte Säulen aus der Kaiserzeit, am Torre Argentina und ignorieren Touristen an der Pyramie von Caius Cestius. Rom hat vielleicht die größte Katzenkolonie Europas. Längst gibt es Fremdenführungen in den Resten des antiken Roms, die nicht nur Archäologie und Geschichte zum Thema haben, sondern auch Felis romana.

Katzen werben für Rom

Zwischen 120.000 und 200.000 sollen in Rom auf der Straße leben. Als schlaue Tiere haben sie sich vor allem dort breit gemacht, wo sie keinen Autoverkehr fürchten müssen: in den vielen historischen Stätten der Stadt. Nicht jeder Archäologe sieht das mit einem Lächeln im Herzen. Und auch nicht jeder Verantwortliche in der Stadtverwaltung. Aber die Katzen sind auch aus dem römischen Stadbild nicht mehr wegzudenken und werden mehr fotografiert als alle Säulenreste zusammen. Sie sind unbezahlbare positive Werbeträger für Rom und zu einem so festen Bestandteil des Stadtbildes geworden, dass der Gemeinderat Roms die Katzen im letzten Frühjahr zum "historischen Stadterbe" erklärte. Genau wie die historischen Bauten, in deren Schutz sie leben, gelten Katzen jetzt offiziell als "schützenswert". Die Stadtverwaltung beging die Beförderung feierlich im noblen Rahmen. Die Tradition, Katzen zu betreuen, sei so alt wie Rom selbst, sagte Bürgermeister Walter Veltroni. Die Stadt habe deshalb die Pflicht, sich um die Tiere zu kümmern.
Doch mehr als den Titel und noch etwas mehr Aufmerksamkeit von Touristen hat den Katzen ihre neue Ehre nicht gebracht.

Gattara sind gute Geister

Zum Glück gibt es seit Urzeiten in Rom auch die Gattara, Frauen, die sich um die Straßenkatzen in ihrem Viertel kümmern, ihnen jeden Tag Futter bringen, Kranke zum Tierarzt schleppen und für Junge auch immer mal wieder ein Zuhause bei lieben Menschen finden. Sie tun es freiwillig, meist ganz allein und auf eigene Kosten. So sind auch die Katzen am Forum Romanum allein auf zwei Frauen angewiesen, die auch die Tiere am 200 m entfernten Coloseum versorgen. Sie bemühen sich nach Kräften die Population gesund zu erhalten und gleichzeitig die Geburtenrate durch Kastrationen zu senken. Ohne die vielen netten Touristen, die ein echtes Herz für Katzen haben, und auch Spenden für die Tiere hinterlassen, könnten sie es aber nicht schaffen. In den Monaten, in denen sehr wenig Touristen kommen, muss das einzige anerkannte Katzenasly Roms am Torre Argentina schon mal mit Futter aushelfen. Von der Stadt kommt nichts. Im Gegenteil, Katzenfreunde und Behörden liegen im Clinch.

Kein Haus in den Ruinen

Seit vier Jahren laufen Gespräche zwischen dem Kazenschutzverein am Torre Argentina, den zuständigen Schützern der historischem Kulturgüter und der Stadtverwaltung Roms um die Erlaubnis am Forum ein kleines Gebäude sanieren zu dürfen, damit es als Versorgung- und Krankenstation für die Katzen genutzt werden kann. Die Katzenschützer wollen die Baukosten tragen, die AISPA (Anglo-Italian Society for die Protection of Animals) bot sich, an die medizinische Ausrüstung zu stiften.
Als die ersten Verträge bereits unterzeichnet waren, und alles endlich "in trockenen Tüchern" schien, sagte die staatliche Behörde plötzlich das Projekt ab. Offiziell gibt es keine Begründung dafür. Inoffiziell heißt es, einer der Verantwortlichen wollte keinen Katzengeruch an historischer Stätte. Dabei hätte er nur zu den Tempelruinen am Torre Argentina gehen müssen, um sich vom Gegenteil zu überzeugen. Umtost vom Stadtverkehr, leben dort rund 300 Katzen, seit neun Jahren betreut von einer Handvoll hoch engagierter Frauen. Die ehrenamtlichen Helfer haben sich einen Ex-Schutzraum unter der Straße als Versorgungsbasis und Krankenstation ausgebaut und eingerichtet. Elektrizität und fließend kaltes Wasser bekamen sie aber erst nach fast zwei Jahren Kämpfen mit den Behörden.

Aus Rom bis nach New York

Die Bevölkerung von Rom hatte weniger Vorbehalte gegen die Katzenschützer. Mit jedem Jahr wird eine steigende Zahl von Katzen am Torre Argentina ausgesetzt. Letztes Jahr waren es 654 bei einer gleichzeitigen Adoptionsrate von 349! Die meisten (295) davon blieben in Italien, aber 27 wanderten nach Deutschland aus, acht nach Holland, sechs in die USA und 13 in andere Länder, denn rund um dieses Katzenasyl hat sich ein Freundeskreis aus aller Herren Länder gebildet. Man hält sich auf dem Laufenden, mobilisiert Öffentlichkeit, sammelt Spenden und kommt im Urlaub nach Rom - der Katzen wegen. Diese Hilfe ermöglicht es der Crew vom Torre Argentina auch die Helfer anderer Katzenkolonien in der Stadt mit Futter, Ausrüstung und Tierarzt zu unterstützen.

Nelson der einäugige König

Weltbekannt in Katzenkreisen ist auch "Nelson", ein einäugiger weißer Kater, und lange Jahre geliebter "Chef" am Torre Argentina. Weil er ganz selbstverständlich auch alle Besucher begrüßte, ja "empfing", die in den Tempel kamen, wurde er zum Maskottchen der Katzenstation - und von seiner Freundin Deborah D'Allessandro in einem inzwischen preisgekrönten Kinderbuch verewigt.

Jutta Aurahs




Ein weiterer Bericht über Torre Argentina wurde in der WDR ServiceZeit im Mai 2002 ausgestrahlt.

In der Millionenstadt Rom gibt es ungefähr 180.000 Katzen auf der Straße, so die Schätzung des Katzenschutzvereins von Torre Argentina - die meisten von ihnen haben als Hauskatzen angefangen, sind ihren Besitzern dann lästig geworden und auf der Straße gelandet.

Seit rund zehn Jahren kastrieren und impfen die Vereinsgründerin Silvia Viviani und ihre internationale Helfergruppe herrenlose Katzen überall in der Stadt und beherbergen zwischen 350 und 500 Tiere auf dem Ruinengelände von Torre Argentina mitten in Rom. Dort haben sie, von der Stadtverwaltung mehr geduldet als geschätzt, ein Büro und eine Kranken- und Quarantänestation in einigen der ausgegrabenen Kavernen eingerichtet - gesunde Katzen leben frei im und um dem abgegrenzten historischen Gelände.

Die acht ständigen und ebenso viele Teilzeit-Helfer füttern täglich alle Katzen, versuchen Krankheiten wie Schnupfen und Katzen-Aids so gut wie möglich im Griff zu halten und bemühen sich, so viele Katzen wie möglich wieder zu vermitteln - denn Herbst und Winter sind kalt und feucht in Rom, und viel älter als fünf Jahre werden die meisten vierbeinigen Bewohner der Ruinen nicht.

Finanziert wird die Arbeit der Katzenzuflucht ausschließlich durch Spenden - Unterstützung erfährt der Verein von Touristen, die bei ihrem Besuch des antiken Roms auf die Katzenstation aufmerksam werden, aber auch von bleibenden Freunden aus aller Welt.

Um die hohen Kosten für Futter, Medikamente und Kastrationen regelmäßig zahlen zu können, braucht es auch beständige Öffentlichkeitsarbeit - der Verein gibt deshalb viermal im Jahr ein Heft heraus, über das auch Patenschaften und Tiervermittlungen organisiert werden. Dabei erfährt die Katzenzuflucht besonders viel Unterstützung aus Deutschland, England und den USA - trotzdem kann es nie genug sein, denn das Elend ist groß.

Zwar hat Rom seine vielen Katzen vor kurzem zum bio-kulturellen Erbe der Stadt erklärt - daraus folgt aber bis jetzt keinerlei konkrete Unterstützung. De facto schmückt sich Rom gern mit den Samtpfoten, für die konkrete Katzenhilfe stellt die Stadt aber keinen Cent zur Verfügung.

"Torre Argentina" kann nur für einen kleinen Teil der streunenden Tiere sorgen. Um das Elend vieler Tausende weiterer Katzen kümmern sich auch etliche Privatpersonen überall in Rom - Frauen, die "gattare" genannt werden und die Straßenkatzen an Ecken, Plätzen und in einigen Kolonien wie am "Englischen Friedhof" füttern und versorgen.

Viele von ihnen wenden sich, wenn sie finanziell völlig am Ende sind oder wenn es besondere Probleme gibt, auch an "Torre Argentina" - ob es um verletzte Katzen geht, um verlassene Würfe oder zu kastrierende Tiere. Zwar bietet die Stadt für die Straßenkatzen kostenlose Kastrationen an - tatsächlich müssen die "gattare" aber bis zu sechs Monaten warten, um Termine zu bekommen. Der nächste Wurf ist dann meist schon längst da.

Die Tierschützer in Rom sind alle frustriert über die Gleichgültigkeit der Menschen, die ihre Tiere aussetzen und zu dem Elend beitragen und über die Behörden, die für Tierschutz so gut wie nichts tun. Sie sind für jede Hilfe von außen dankbar und setzen vor allem auf das Zusammenspiel von Kastrationen und Adoptionen - um irgendwann in der Zukunft das Problem besser in den Griff zu bekommen. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg ...

Katja Devaux